Kath. Pfarrkirche St. Vitus

Dekan-Seitz-Straße 5, 94356 Kirchroth, Deutschland

Die Pfarrkirche ist dem Hl. Vitus geweiht, der am 15. Juni seinen Feiertag hat. Das Pfarrpatrozinium wurde früher immer am darauffolgenden Sonntag gefeiert. Nach der Agenda von 1783 kam zu dieser Feier eine Wallfahrtsprozession aus Pondorf, eine alte Tradition, weil Kirchroth im Mittelalter noch eine Filiale von Pondorf war.

Die Auswahl der Kirchenpatrone unterlag zum einen gewissen Zeittrends und sagt zum anderen auch etwas über den Kirchengründer aus, der als Grundherr das Patrozinium bestimmte. Dabei sollte der Titularheilige dem Volk als besonderes Vorbild im Lebenswandel und als Beschützer und Nothelfer vor Augen gestellt werden. Im 10. und 11. Jahrhundert wählte der adelige Ritterstand für seine Burgkapellen mit Vorliebe die Heiligen Laurentius, Ulrich und Vitus als Kirchenpatrone.

Mit der Übertragung der Reliquien des Hl. Vitus im Jahr 836 von St. Denis in Frankreich in das Kloster Corvey an der Weser verlagerte sich das Zentrum der Vitusverehrung sehr schnell nach Osten, sodass diese schon Ende des 10. Jahrhunderts auch in Regensburg nachzuweisen ist. Hier taucht 997 bei der Gründung des Benediktinerklosters Prüll der Hl. Vitus erstmals als Patron auf. Es überrascht daher nicht, dass die adeligen Herren von „Rot“ ihre frühromanische Steinkirche ganz im Trend der Zeit dem Hl. Vitus weihen ließen. Auch die Funktion als Eigenkirche der örtlichen Ritterschaft wird hierdurch bestätigt. Die Kirchenweihe dürfte bald nach dem Beginn der Vitus-Verehrung in Regensburg stattgefunden haben und signalisiert ebenfalls, wie sehr sich die Herren von „Rot“ (Kirchroth) dem geistlichen Zentrum Regensburg verpflichtet fühlten. Der Bischof wird dieser Kirchenweihe wohlwollend zugestimmt haben.

Neben den angeführten archäologischen, bau- und kirchengeschichtlichen Fakten ist somit die Wahl des Heiligen Vitus als Kirchenpatron ein weiterer Hinweis auf die Errichtung der ersten nachweisbaren Steinkirche im frühen 11. Jahrhundert. Die Kirche verblieb auch nach der Weihe im Eigentum des Grundherrn.

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